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Ratgeber

Flurstück finden und Flurkarte lesen — so funktioniert das Liegenschaftskataster


Jedes Stück Boden in Deutschland hat eine Nummer. Wer ein Grundstück kauft, bebaut oder teilt, stößt früher oder später auf Begriffe wie Gemarkung, Flur und Flurstückszähler — und auf die Frage, wo man die eigentlich nachschlägt. Dieser Artikel erklärt, wie eine Flurkarte aufgebaut ist, wie du dein Flurstück findest und wann ein amtlicher Auszug nötig ist.

Auf einen Blick

  • Flurkarte, Liegenschaftskarte und Katasterkarte meinen dieselbe Karte — die Bezeichnung wechselt je nach Bundesland.
  • Sie zeigt Grundstücksgrenzen, Gebäude und die amtlichen Flurstücksnummern, nicht die Eigentümer.
  • Ansehen ist kostenlos. Ein amtlicher Auszug kostet Geld und kommt vom Katasteramt.
  • Für viele Zwecke — Kaufberatung, Entwurf, Präsentation — genügt ein unbeglaubigter Ausschnitt.

Wie eine Flurkarte aufgebaut ist

Die Flurkarte ist der zeichnerische Teil des Liegenschaftskatasters — des amtlichen Verzeichnisses aller Grundstücke. Sie hält fest, wo ein Flurstück anfängt und aufhört, welche Gebäude darauf stehen und welche Nummer es trägt. Was sie nicht enthält, ist der Eigentümer: der steht im Grundbuch, und dort kommt nur hinein, wer ein berechtigtes Interesse nachweist.

Das amtliche Kennzeichen eines Flurstücks setzt sich aus drei Teilen zusammen:

  1. Gemarkung — ein Gebiet von meist mehreren hundert Hektar, historisch an Ortsteilen orientiert. Jede Gemarkung hat eine vierstellige Nummer.
  2. Flur — eine Untergliederung der Gemarkung, durchnummeriert.
  3. Flurstücksnummer — die eigentliche Parzelle, oft als Bruch geschrieben: aus dem Flurstück 12 werden bei einer Teilung 12/1 und 12/2.

„Gemarkung Steglitz, Flur 42, Flurstück 118/3“ ist damit eine eindeutige Adresse — unabhängig davon, ob sich Straßennamen oder Hausnummern ändern.

Warum die Karte in jedem Bundesland anders heißt

Das Vermessungswesen ist Ländersache. Dieselbe Karte heißt deshalb in Bayern Flurkarte, in Nordrhein-Westfalen Liegenschaftskarte und anderswo schlicht Katasterkarte. Auch die Portale sind getrennt: jedes Land betreibt sein eigenes Geoportal, mit eigenem Kartenausschnitt, eigener Suche und eigenen Nutzungsbedingungen.

Für die Suche heißt das: Wer nicht weiß, in welchem Portal er landen muss, sucht lange. Unsere Flurkarte legt die Flurstücksgrenzen aller Bundesländer auf eine gemeinsame Karte und nennt zu jedem Flurstück das zuständige Landesportal samt Datenquelle.

Dein Flurstück finden — in drei Schritten

  1. Adresse eingeben. Die Karte springt auf den Ort. Zoome so weit hinein, bis die Grundstücksgrenzen erscheinen — sie werden ab mittlerer Zoomstufe eingeblendet.
  2. Auf das Grundstück klicken. Es öffnet sich ein Feld mit Gemarkung, Flur, Flurstücksnummer, Fläche in Quadratmetern, Bundesland und Datenstand.
  3. Kennzeichen übernehmen. Das vollständige amtliche Kennzeichen lässt sich mit einem Klick kopieren — genau das brauchst du für Anträge, Kaufverträge oder die Anfrage beim Katasteramt.

Die Flächenangabe ist aus der Geometrie berechnet und damit ein guter Näherungswert, aber keine amtliche Größe. Für den Kaufvertrag zählt die Fläche aus dem Liegenschaftskataster.

Wann es ein amtlicher Auszug sein muss

Ein amtlicher oder beglaubigter Auszug trägt Siegel und Unterschrift und bestätigt, dass der Inhalt mit dem Kataster übereinstimmt. Ihn gibt es nur beim Katasteramt oder bei einem öffentlich bestellten Vermessungsingenieur (ÖbVI). Nötig ist er vor allem dann, wenn eine Behörde oder ein Notar ihn ausdrücklich verlangt:

  • beim Bauantrag als amtlicher Lageplan — dort gelten je nach Landesbauordnung eigene Anforderungen
  • bei Grundstücksteilungen und Grenzfeststellungen
  • bei notariellen Verträgen, wenn der Notar ihn anfordert

Was es dabei kostet und wo du ihn beantragst, steht in unserer Übersicht Flurkarte beantragen. Für den Bauantrag im Besonderen haben wir die Anforderungen unter Lageplan für den Bauantrag zusammengestellt.

Und wenn es kein amtliches Dokument sein muss?

In den meisten Fällen geht es gar nicht um Beglaubigung, sondern um eine saubere Abbildung: ein Ausschnitt für die Kaufberatung, eine Grundlage für den Entwurf, eine Anlage für die Präsentation. Dafür lässt sich aus der Karte ein maßstäblicher DIN-A4-Auszug erzeugen — mit Plankopf, Maßstabsangabe und dem vollständigen Flurstückskennzeichen.

Direkt aus der Karte

DIN-A4-Auszug aus der Liegenschaftskarte

Maßstäblicher Auszug deines Flurstücks als DIN-A4-PDF mit Plankopf — sofort nach dem Kauf, ohne Amt und ohne Anmeldung. Unbeglaubigt: kein amtlicher Lageplan im Sinne der Landesbauordnung.

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inkl. MwSt.

Der Auszug ist unbeglaubigt und damit kein amtlicher Lageplan im Sinne der Landesbauordnung. Das steht auch auf dem Blatt selbst — wer ihn bei einer Behörde einreichen muss, braucht den amtlichen Weg oben.

Häufige Fragen

Kostet das Ansehen der Flurkarte etwas?

Nein. Die Landesportale und unsere Karte zeigen Grenzen und Flurstücksnummern kostenlos. Geld kostet erst der amtliche, beglaubigte Auszug beim Katasteramt.

Sehe ich, wem ein Grundstück gehört?

Nein. Eigentümer stehen im Grundbuch, nicht in der Flurkarte. Einsicht ins Grundbuch bekommt nur, wer ein berechtigtes Interesse darlegt — etwa als Kaufinteressent mit Nachweis oder als Gläubiger.

Wie aktuell sind die Daten?

Zu jedem Flurstück wird der Datenstand des jeweiligen Landes angezeigt. Die Länder liefern in unterschiedlichen Abständen; nach einer Teilung oder Neuvermessung kann es einige Wochen dauern, bis die Änderung in der Karte ankommt.

Was bedeutet eine Flurstücksnummer wie 118/3?

Der Bruch verweist auf eine Teilung. Aus dem ursprünglichen Flurstück 118 sind mehrere neue entstanden, durchnummeriert als 118/1, 118/2, 118/3. Die alte Nummer wird dabei nicht wiederverwendet.

Darf ich die Karte in eigenen Plänen verwenden?

Das hängt am Bundesland. Die meisten Länder stellen ihre Geobasisdaten unter der Datenlizenz Deutschland bereit, die eine Weiterverwendung mit Quellenangabe erlaubt. Die jeweils gültige Quellenangabe wird zu jedem Flurstück mit angezeigt.

Vom Flurstück zum fertigen Plan

Die Flurkarte zeigt das Grundstück. Für Entwurf und Analyse braucht es meist mehr: den städtebaulichen Kontext, das Gelände, den Bestand ringsum. Unsere Geodaten liefern die Umrisse, die Höhenlinien das Relief, und die Schwarzpläne den baulichen Zusammenhang — als PDF, DXF und DWG mit getrennten Ebenen.

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